Hautkrebs: Warum Prävention wichtiger ist als jede Behandlung
Vor Kurzem durfte Dr. Koch mit RUHR24 über ein Thema sprechen, das ihm als Dermatologe besonders am Herzen liegt: Hautkrebs und die Bedeutung eines konsequenten Sonnenschutzes. Das vollständige Interview finden Sie hier. Da das Thema so wichtig ist und viele Fragen häufig erst im Nachhinein gestellt werden, möchten wir die Gelegenheit nutzen, einige Aspekte noch einmal ausführlicher zu beleuchten.
Hautkrebs ist die häufigste Krebserkrankung überhaupt
Viele Menschen verbinden Krebs zunächst mit Organen wie Lunge, Darm oder Brust. Tatsächlich ist Hautkrebs jedoch die häufigste bösartige Erkrankung des Menschen. Gleichzeitig steigen die Erkrankungszahlen seit Jahren kontinuierlich an.
Ein wesentlicher Grund dafür ist die zunehmende UV-Belastung unserer Haut. Dabei spielt nicht nur der Sommerurlaub eine Rolle. Jede UV-Strahlung, der unsere Haut ausgesetzt ist, hinterlässt Spuren. Die Haut verfügt zwar über Reparaturmechanismen, diese können jedoch nicht jeden Schaden vollständig beheben.
Über Jahre und Jahrzehnte sammeln sich die Veränderungen in den Hautzellen an. Aus diesen können zunächst Vorstufen und später Hautkrebs entstehen.
Weißer Hautkrebs: Häufig, aber oft unterschätzt
Wenn von Hautkrebs die Rede ist, denken viele zunächst an den schwarzen Hautkrebs (Malignes Melanom). Deutlich häufiger ist jedoch der sogenannte weiße Hautkrebs.
Zu dieser Gruppe gehört unter anderem das Basaliom. Obwohl es nur selten Metastasen bildet, sollte es keinesfalls unterschätzt werden. Unbehandelt wächst es kontinuierlich weiter und kann umliegendes Gewebe zerstören. Besonders im Gesicht kann dies zu erheblichen kosmetischen und funktionellen Einschränkungen führen.
Aus meiner Sicht liegt genau hier die große Chance der modernen Dermatologie: Hautveränderungen frühzeitig zu erkennen, bevor größere Eingriffe notwendig werden.
Die Haut vergisst keinen Sonnenstrahl
Ein Satz, den ich meinen Patienten häufig mitgebe, lautet: Die Haut vergisst keinen Sonnenstrahl.
Anders als viele vermuten, entsteht Hautkrebs meist nicht durch einen einzelnen Sonnenbrand oder einen Sommerurlaub. Entscheidend ist die gesamte UV-Dosis, die im Laufe des Lebens auf die Haut trifft.
Natürlich erhöhen starke Sonnenbrände das Risiko zusätzlich. Besonders problematisch sind dabei Sonnenbrände in der Kindheit und Jugend, da die Haut in dieser Lebensphase besonders empfindlich ist.
Letztlich zählt jedoch jede UV-Belastung – sei es beim Spaziergang, bei der Gartenarbeit, auf dem Fahrrad oder im Urlaub.
Wie kann man sich effektiv schützen?
Die gute Nachricht ist: Hautkrebs gehört zu den wenigen Krebserkrankungen, bei denen wir selbst einen großen Einfluss auf das persönliche Risiko haben.
1. Direkte Sonneneinstrahlung vermeiden
Der wirksamste Schutz ist und bleibt die Reduktion der UV-Belastung. Besonders während der Mittagsstunden sollte direkte Sonneneinstrahlung möglichst vermieden werden.
2. Auf textilen Sonnenschutz setzen
Kopfbedeckungen, Sonnenbrillen und geeignete Kleidung bieten häufig einen besseren Schutz als Sonnenschutzmittel allein. Gerade bei längeren Aufenthalten im Freien sollte textile Schutzkleidung immer die erste Wahl sein.
3. Hochwertige Sonnencreme verwenden
Sonnencremes sind ein wichtiger Bestandteil des Sonnenschutzes, sollten aber als Ergänzung verstanden werden.
Dabei gilt: Je höher der Lichtschutzfaktor, desto besser. Wichtig ist außerdem, ausreichend Produkt aufzutragen und regelmäßig nachzucremen – insbesondere nach dem Schwimmen oder starkem Schwitzen.
4. Kinder besonders konsequent schützen
Kindliche Haut reagiert deutlich empfindlicher auf UV-Strahlung. Aus dermatologischer Sicht sollte deshalb insbesondere bei Kindern auf einen konsequenten Sonnenschutz geachtet werden.
Moderne Hautkrebsvorsorge: Veränderungen erkennen, bevor Probleme entstehen
Neben dem Sonnenschutz spielt die regelmäßige Hautkrebsvorsorge eine entscheidende Rolle.
In meiner Praxis führe ich Hautkrebsscreenings ausschließlich digital und videomikroskopisch durch. Moderne Kameratechnologie ermöglicht dabei eine hochauflösende Darstellung selbst kleinster Hautveränderungen.
Ein besonderer Vorteil besteht darin, dass sämtliche Befunde digital gespeichert werden können. Dadurch lassen sich auch minimale Veränderungen über die Zeit hinweg erkennen und bewerten.
Ergänzend nutzen wir künstliche Intelligenz als Unterstützung bei der Analyse von Hautveränderungen. Sie ersetzt selbstverständlich nicht die ärztliche Expertise, kann jedoch helfen, die diagnostische Sicherheit weiter zu erhöhen.
Mein Ziel ist dabei immer dasselbe: Hautkrebs möglichst früh zu erkennen – idealerweise bereits in einem Stadium, in dem eine unkomplizierte und gewebeschonende Behandlung möglich ist.
Mein Fazit
Hautkrebs ist in vielen Fällen vermeidbar. Dennoch wird die Gefahr von UV-Strahlung häufig unterschätzt, weil die Folgen oft erst Jahre oder Jahrzehnte später sichtbar werden.
Wer seine Haut schützt, regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen wahrnimmt und auf Veränderungen achtet, kann sein persönliches Risiko erheblich reduzieren.
Denn die beste Behandlung von Hautkrebs ist diejenige, die gar nicht erst notwendig wird.
Der vollständige Artikel von RUHR24 zum Thema Sonnenschutz und Hautkrebs finden Sie hier: https://www.ruhr24.de/dortmund/dortmund-sommergefahr-arzt-haut-tipps-hautkrebs-koch-praxis-neu-hauttyp-hell-sonnencreme-lsf-94299667.html